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Ich bin getauft

ML
Ich bin getauft

 Ich bin getauft

Da stehen sie am Taufbecken: Eltern, Paten und Täufling. Sagen wir mal: ein Junge, acht Monate alt. Er hat eine Jeans an und ein helles Hemd, Turnschuhe. Noch sind sie weiß, extra für die Taufe gekauft, aber er wird darin noch spielen und krabbeln und vielleicht in ein paar Wochen anfangen zu laufen. SeinVater hält ihn aufrecht, der Junge guckt begeistert ins Taufbecken. Im silbernen Teller spiegelt sich das Wasser.

Wenn er groß ist, wird er keine eigene Erinnerung mehr an diesen Moment haben. Die Erwachsenen, die dabei waren, müssen ihm erzählen und ihm die Fotos zeigen: wie er vor Vergnügen gequietscht hat und auch von diesem Moment, in dem es ganz still war. Und zwischen allem der Heilige Geist. Wann genau Gottes Segen das Kind erreicht, können wir nicht „sichtbar“ machen, aber wir bitten darum und taufen mit den alten Worten. Der Glaube, dass Gott in diesem Moment im Heiligen Geist gegenwärtig ist,macht die Taufe zum Sakrament.

Da stehen sie am Taufbecken: Eltern, Pate und Täufling. Ein Junge. Er ist einen Tag alt. Es ist üblich im Jahr 1483, dass die Kinder unmittelbar nach der Geburt getauft werden: In Zeiten, in denen der frühe Tod von Säuglingen zum traurigen Familienalltag gehört, sollen sie so früh wie möglich zu Gott gehören, damit sie nicht in die Hölle kommen. Der Junge ist Martin Luther. Er wird am 11. November getauft, deshalb trägt er den Namen des Heiligen dieses Tages. Alles hatte am Jordan begonnen mit Johannes, dem Täufer. Er taufte erwachsene Frauen und Männer. Er predigte, dass diese Welt ihrem Ende entgegen geht und eine umwälzende Änderung des eigenen Lebens notwendig ist, um dem ewigen Verlorensein zu entgehen. Die Taufe war äußeres Zeichen, dass man den „alten Menschen“ abwäscht und ein neuer Mensch aus dem Fluss auftaucht. So wurde die Taufe bei den ersten Christinnen und Christen als äußere Besiegelung ihres Bekenntnisses zu Gott und Jesus Christus praktiziert.

Einige Jahrhunderte später ist die Taufe von Kindern üblicher als die von Erwachsenen. Ein Kind zur Taufe zu bringen macht deutlich: Um von Gott angenommen zu werden, bedarf es keiner Voraussetzungen, das Kind muss nichts mitbringen, sondern wird gebracht. Und Gott nimmt es an.

Die Taufe als Erwachsener hingegen betont das eigene Bekenntnis und die bewusste Zustimmung: Was ich über Gott erfahren habe, das hat Bedeutung für mein Leben. Ich entscheide bewusst, dass ich zu Gott gehören will. Gott hat sich längst zugewandt, aber in der Taufe bekenne ich selbst und stelle mich vor Gott und vor die Menschen.
Schon Johannes, der Täufer, begründete die Taufe als nur einmal notwendige Handlung, um den Graben zwischen Gott und Mensch zu überwinden. Die christliche Taufe wie wir sie heute feiern, wird deshalb in den meistenchristlichen Konfessionen anerkannt. Wenn der Volksmund von „Umtaufen“ spricht, führt er in die Irre, denn auch beim Wechsel einer Konfession ist keine erneute Taufe notwendig (Ausnahme sind z.B. Baptisten).

Mit der Kreide auf einen Tisch:
Ich bin getauft.

Martin Luther wurde im Lauf seiner theologischen Entwicklung seine Taufe immer wichtiger: In einer Zeit, in der das kirchliche Leben vor allem im Ableisten von Vorgaben bestand sowie durch Ängste gegenüber einem übermächtig herrschenden Gott geprägt war, wurde ihm die voraussetzungslose Zuwendung Gottes wichtig.


Es wird erzählt, dass er sich in Momenten, in denen er sehr gehadert hat, mit Kreide auf den Tisch schrieb: Ich bin getauft. Die Taufe war ihm immer neu Anfang: Wie das tägliche Brot und das tägliche Wasser Wann immer er unsicher war, ob er in seinem Reden und Denken über das Ziel hinausgeschossen war; wann immer er noch Angst vor dem Teufel hatte und dass dieser ihn zornig machte oder ihn an Gott zweifeln ließ, besann sich Luther auf seine Taufe.

Ein Gedanke, der mich schon oft bewegt hat: die Erinnerung an die Taufe wie das tägliche Brot. Ich bin getauft. Ich gehöre zu Gott. Manchmal schade ich anderen, daran verzweifleich nicht,  sondern fange neu an.Oft gelingt mir Gutes, darüber freue ich mich
wie verrückt und danke dafür.


Ich fühle mich mit vielen Menschen verbunden. Gott macht mich zu einem Menschen, der anderen zum Segen werden kann. Und ich lebe in Gottes Welt.

Ich bin getauft.



Pfarrerin Monika Christ

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